Wie ist die Lage in đŸ‡ČđŸ‡Č Myanmar? Update am 22.MĂ€rz 2021 * Razzien, scharfe Munition & 50 Tote

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Die Lage in đŸ‡ČđŸ‡Č Myanmar ist weiterhin sehr ernst. Myanmars MilitĂ€r geht zunehmend mit scharfer Munition auf die vorwiegend friedlichen Demonstranten los. NĂ€chtliche Razzien und Verschleppungen nehmen im ganzen Land zu.  Es erreichen uns leider Meldungen von mehr als nun 50 Toten seit dem Putschbeginn am 1.Februar, alleine am Mittwoch waren es 38 Menschen, die bei den Demos ums Leben gekommen sind. Hunderte wurden verletzt. Einige befinden sich in kritischem Zustand und Tausende wurden inhaftiert. Ein Update zur aktuellen Lage zum Protest in Myanmar.

Myanmar galt in den letzten Jahren als Symbol eines Umschwungs, weg von einer MilitÀrdiktatur zu einer Demokratie. Doch am 1.Februar putschte das MilitÀr und verhinderte somit das im November 2020 gewÀhlte neue Parlament zusammen kommen zu lassen. Seitdem herrscht Ausnahmezustand in Myanmar, die Lage ist sehr ernst.

Update: Interessantes Interview mit dem Schriftsteller Jan-Philipp Sendker, Autor und Myanmar-Kenner.

Update am 22.MĂ€rz 2021: EU sanktioniert 11 Personen wegen des jĂŒngsten MilitĂ€rputsches und der anschließenden UnterdrĂŒckung

Der Rat hat heute restriktive Maßnahmen gegen elf Personen verhĂ€ngt, die fĂŒr den am 1. Februar 2021 in Myanmar/Birma inszenierten MilitĂ€rputsch und die anschließende militĂ€rische und polizeiliche Repression gegen friedliche Demonstranten verantwortlich sind.

Zehn der elf Personen, die ins Visier genommen wurden, gehören zu den höchsten RÀngen der myanmarischen StreitkrÀfte (Tatmadaw), darunter der Oberbefehlshaber der Tatmadaw, Min Aung Hlaing, und der stellvertretende Oberbefehlshaber, Soe Win. Letzterer ist der neue Vorsitzende der Wahlkommission der Union wegen seiner Rolle bei der Annullierung der Ergebnisse der Wahlen 2020 in Myanmar.

Zu den heute eingefĂŒhrten restriktiven Massnahmen gehören ein Reiseverbot und das Einfrieren von Vermögenswerten. Das Reiseverbot hindert die gelisteten Personen daran, in das EU-Gebiet einzureisen oder es zu durchqueren, wĂ€hrend das Einfrieren von Vermögenswerten die Gelder oder wirtschaftlichen Ressourcen der gelisteten Personen in der EU betrifft. DarĂŒber hinaus ist es EU-BĂŒrgern und -Unternehmen untersagt, den gelisteten Personen und Organisationen Gelder zur VerfĂŒgung zu stellen.

Quelle

Das MilitÀr geht aggressiver vor bei den Demonstrationen

Laut Augenzeugenberichte kommt es bei den tĂ€glichen friedlichen Versammlungen immer wieder zu tödlichen SchĂŒssen, vor allem in den beiden grĂ¶ĂŸten StĂ€dten Yangon und Mandalay. Bei einer Demo in Mandalay wurden Gruppen an Straßenkreuzungen von der Polizei eingekesselt und mit Schlagstöcken attackiert. Weglaufende Personen werden mit scharfer Munition niedergeschossen.

Schilderungen wie im Krieg

Banken und GeschĂ€fte sind geschlossen. Myanmar befindet sich im Krieg – anders kann man die Berichte leider nicht deuten. Im ganzen Land gibt es Proteste, ob auf dem Land oder in der Stadt. Neuerdings wird berichtet, das gezielt HĂ€user nachts aufgesucht werden und Menschen verschleppt oder zumindest bedroht werden. Man versucht die angeblichen HintermĂ€nner des Protestes gezielt einzuschĂŒchtern. Doch die vor allem jungen Menschen geben sich kĂ€mpferisch. Das MilitĂ€r habe Waffen, aber keine Strategie, so heißt es geschlossen. Man will fĂŒr eine bessere Generation kĂ€mpfen. Die „Mutter Suu“, so wird im Land Aung San Suu Kyi genannt, ist weiterhin in Hausarrest, sie kann nicht zur Protestbewegung sprechen. ScharfschĂŒtzen schießen gezielt auf Personen in der Menge, selbst das Rote Kreuz und SanitĂ€ter werden bei Hilfsaktionen beschossen.

Landesweite Proteste – selbst Mönche beteiligen sich und zeigen Widerstand!

Alles ist denkbar – wie geht es weiter in Myanmar?

Die Generation „Z“ besteht aus vor allem jungen Menschen, die sich bei ihren Aktionen vor allem an die Proteste in Thailand und Hong Kong halten. Ebenso haben sich in verschiedenen Teilen des Landes eine „Bewegung des zivielen Ungehorsams“ gebildet, zu denen Ärzte und Krankenschwester gehören und sich weigern unter der MilitĂ€rregierung zu arbeiten. Immer mehr Mitarbeiter von Firmen der Regierung schließen sich an diesen Protest an, es Ă€hnelt einem ersten Streik, der sich auf grĂ¶ĂŸere Teile des Landes und der Infrastruktur ausweiten könnte.

Als terroristische Organisation wird ein Komitee aus Interimsminister bezeichnet. Die aus 17 Köpfen bestehende Zwischenregierung wurde von mindestens der HĂ€lfte der 664 Parlamentsabgeordneten gewĂ€hlt. FĂ€llt das MilitĂ€r, soll diese Regierung schnell wieder fĂŒr normale VerhĂ€ltnisse sorgen.

Teilweise wird das Internet abgestellt bzw. die sozialen Medien gesperrt, ĂŒber VPN’s werden dennoch Livestreams der Demonstrationen gezeigt – fĂŒr alle die, die sich aus Angst nicht mehr in die Öffentlichkeit trauen.

Sanktionen der Weltgemeinschaft – reicht dies?

Vergeblich hoffen die Burmesen, dass der Westen dem Land zu Hilfe kommt. Doch China und Russland sind gegen eine internationale Einmischung, die USA und die EU haben erste Personen und Unternehmen mit Sanktionen belegt. Immerhin liest man in den deutschen Tageszeitungen Berichte aus Myanmar und auch die ARD Tagesthemen oder das ZDF heute Journal berichten fast tÀglich.

Doch alles sieht danach aus, dass es zu einer noch brutaleren Niederschlagung der Proteste kommt. Hoffen wir das Beste und geben nicht auf. Wir berichten weiter, die Demokratien muss siegen.

Covid – in Vergessenheit geraten?

Das Land hat sich seit dem Ausbruch der Pandemie schlecht entwickelt, die Touristen bleiben aus, Impfstoff kommt nur schleppend aus China ins Land. Uns wurde zugespielt, das anstatt Àltere Menschen nun die Mitglieder des MilitÀrs und deren Familie zuerst geimpft werden. Die Wirtschaft des Landes verschlechtert sich, das wirkt sich auf die ganze Bevölkerung aus.

5 Kommentare

  1. Demokratie existiert halt in verschiedenen Varianten (auch im ‚Westen‘; zB SchweizUSA) und wir sollten nicht immer glauben der ganzen Welt mit aller Gewalt unser System ĂŒberstĂŒlpen zu mĂŒssen. Viele LĂ€nder sind (auch aufgrund ihrer internen und ethnischen Probleme) fĂŒr unsere Demokratiespielarten noch lange nicht bereit – diese wĂŒrden dort auch zu Destabilisierung, Desintegration und verheerenden ZustĂ€nden fĂŒhren sowie unzĂ€hlige Menschenleben kosten. Hoffentlich finden die Akteure in Myanmar rasch wieder zu einem friedlichen Weg zurĂŒck zur Entwicklung einer kontrollierten Demokratie. Nicht nur das MilitĂ€r, auch die demokratische Macht braucht eben Kontrolle, da Mechanismen wie ‚bei uns‘ da noch lange nicht greifen können.

    1. Genau, und die MilitĂ€rfĂŒhrung, die seit Jahrzehnten das Land ausbeutet und sich hemmungslos bereichert, weiß, welche „Kontrollierte Demokratie“ (ich nehme an, Sie denken da an die russische Variante) fĂŒr das Volk gut ist. Was in Myanmar Kontrolle braucht, ist das von keiner Instanz eingehegte MilitĂ€r, das eher eine Mafia-Organisation gleicht als einer Einrichtung zur Volksverteidigung.

  2. Von illegalen Protesten und weiterer Eskalation ist dringend abzuraten.
    Richtiger wĂ€re es, die (auch von ASSK provozierten) Ausschreitungen rasch zu beenden und den verfassungsgemĂ€ĂŸen Weg zu den geplanten fairen und korrekten Wahlen (die letzten waren leider aus mehrfachen GrĂŒnden fragwĂŒrdig und deswegen von allen Oppositionsparteien hart umstritten) zu unterstĂŒtzen und somit rasch die Macht wieder an die dann gewĂ€hlte Mehrheitspartei (NLD) zu ĂŒbergeben.
    Alles andere provoziert nur weitere Todesopfer und eine verzögerte RĂŒckkehr zu Friede und Ordnung – und Demokratie.

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