Monika Proksch mit Schülern und Studenten in Myanmar

Myanmar Interview mit Monika Proksch von Zukunft für Kinder der Welt e. V.

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Vor Weihnachten haben wir auf unserer Webseite eine Liste von Hilfsorganisationen und Vereinen vorgestellt, um den Menschen in Myanmar durch Spenden helfen zu können. Bei der Recherche haben wir Monika Proksch kennen gelernt, die den Verein Zukunft für Kinder der Welt e. V. gegründet hat und Projekte in Kambodscha und Myanmar unterstützt. Sie war sofort bereit, mit uns ein Interview zu vereinbaren!

Myanmar findet man selten in den Weltnachrichten, am 1.Februar war es – leider – mal wieder so weit. Liebe Frau Proksch, erzählen Sie uns, wie haben Sie von dem Militärputsch erfahren?

Monika Proksch (M.P.): Es gab bereits am Wochenende vorher Hinweise auf einen bevorstehenden Militärputsch – z. B. durch die Zeitschrift Frontier Myanmar. Aber am 01.02. erfuhr ich es tatsächlich durch die Nachrichten im Rundfunk.

Wie schätzen Sie die aktuelle Lage ein? Bekommen Sie Nachrichten von Bekannten und Freunden aus dem Land?

(M.P.): Ja, ich stehe mit Freunden, den Studenten und Kinderheimen, die Zukunft für Kinder der Welt e. V. unterstützt, über das Internet per Viber (ein Messager) in täglichem Kontakt. Allerdings sind wir sehr vorsichtig in der Kommunikation und vermeiden politische Aussagen um niemanden zu gefährden. Doch wir lesen zwischen den Zeilen.

Die aktuelle Lage ist sehr schwer einzuschätzen. Die Menschen sind vorsichtiger geworden. Aber der Widerstand gegen die Junta hält an. Z. B. streiken die meisten Mitarbeiter der staatlichen Fluggesellschaft Myanmar National Airline trotz ständiger nächtlicher Bedrohungen immer noch.

Vor allem die jungen Leute lassen sich nicht einschüchtern. Sie haben ihre Jugend in Freiheit erlebt, sind versiert im Umgang mit Handy, Internet, den sozialen Medien und wissen sich zu organisieren. Sie wehren sich dagegen, dass ihnen die Freiheit genommen werden soll.

Was denken Sie, wird der Militärputsch mit der Spendenbereitschaft der Deutschen machen?

(M.P.): Es wird sicher schwieriger werden neue Spender zu finden und wir müssen viel Überzeugungsarbeit leisten. Aber ich hoffe sehr, dass unsere langjährigen Spender unserer sorgfältigen Arbeit vertrauen. Schon immer musste ich Spender überzeugen, dass ihre Spenden wirklich bei den Kindern ankommen.

Wir unterstützen bereits seit 2007 Projekte in Myanmar, also Jahre vor der Öffnung 2011 und es ist nie auch nur 1 Kyat (Währung in Myanmar) bei den Militärs gelandet. Und so wird es auch bleiben. Inzwischen hat ein Dauerspender die Sorge geäußert, dass sein Beitrag evtl. nicht bei den Kindern ankommt, aber ich konnte ihn beruhigen.

Erzählen Sie uns doch bitte, wie sind Sie damals nach Myanmar gekommen sind. Wie oft waren Sie bisher dort? Und wie hat sich das Land und die Burmesen seitdem entwickelt?

(M.P.): Als Touristin bin ich 1998 zum ersten Mal in Myanmar gewesen. Ich war sofort beeindruckt von den freundlichen Menschen und dem schönen Land. Zwei Jahre später war ich wieder dort und dann fast jedes Jahr.

Der große Umbruch begann mit der Öffnung im Jahr 2011. Es war ein solches Aufatmen und eine große Freude im Land zu spüren. Plötzlich suchten in Kalaw, wo ich jedes Jahr einige Zeit verbrachte und bekannt war, viel mehr Menschen den Kontakt zu mir. Vorher hatten sie sich einfach nicht getraut mit Ausländern zu sprechen.

Nach 2011 ging es rasant aufwärts. Die Touristen kamen in Massen, so dass viele gar kein Hotelzimmer fanden und in Klöstern übernachten mussten. Hotels und Hostels wurden gebaut, ausländische Firmen investierten in Myanmar; so gab viel mehr Arbeitsplätze. Die Infrastruktur wurde verbessert: moderne Busse fuhren auf immer besser ausgebauten Straßen. Viel mehr Motorräder waren unterwegs, die dann von Autos abgelöst wurden. Es gab auf einmal richtige Tankstellen. Vorher wurde das Benzin flaschen- und kanisterweise am Straßenrand verkauft.

Allerdings hat sich auf dem flachen Land, in den Dörfern, vor allem in den Bergregionen nicht viel geändert. Die Menschen waren und blieben arm. Besser wurde die Krankenversorgung, da inzwischen in sehr vielen Dörfern eigene Krankenstationen gebaut wurden. Ein oder zwei Krankenschwestern impfen die Kinder und erhalten eine medizinische Grundversorgung aufrecht.

Doch hat die Corona Pandemie viele Arbeitsplätze vernichtet, da seit fast einem Jahr die Grenzen geschlossen sind. Viele Hotels, Restaurants und Geschäfte sind inzwischen pleite. Auch die im Verhältnis wenigen Industriebetriebe mussten viele Mitarbeiter entlassen. So wurden letztes Frühjahr auf einen Schlag rund eine halbe Million Textilarbeiter arbeitslos, da die westlichen Länder ihre Bestellungen stornierten und sogar bereits fertig Ware nicht mehr abnahmen.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, den Burmesen in Form eines Vereins zu helfen? Was müssen unsere Leser über Ihren Verein wissen?

(M.P.): Ich habe 1995 angefangen ein Kinderkrankenhaus in Kambodscha zu unterstützen und gründete deswegen einen Verein, der 1997 als gemeinnütziges Kinderhilfswerk eingetragen wurde. Später habe ich dort ein kleines Kinderdorf gegründet und dieses 2006 an ein kambodschanisches Kinderhilfswerk übergeben. Schon von 2000 an unterstützten wir bei jedem meiner Besuche in Myanmar sehr arme Familien mit sog. Care-Paketen (Reis, Nudeln, Salz, Zucker, Hygieneartikel usw.). Von 2007 bis 2011 konnten wir Schulen durch einheimische Kinderhilfswerke bauen lassen und unterstützten ein Kinderheim.

Nachdem die wirtschaftliche Situation in Kambodscha immer besser wurde, verlegten wir nach und nach unseren Fokus nach Myanmar. Das Land stand ja unter globalen Sanktionen und es gab nur einen Bruchteil von Hilfsorganisationen im Verhältnis zu Kambodscha. Die Bevölkerung war viel ärmer. Seit 2010 sind wir hauptsächlich in Myanmar tätig.

Im Jahr 2011 lernte ich Sr. Winnie und ihr Kinderheim in Kalaw kennen. Sr. Winnie gehört dem katholischen Orden St. Francis Xavier Convent an. Dieser Orden unterhält im ganzen Land Kinderheime und/oder Kindergärten. Ihre Arbeit hat mich sofort überzeugt – die Kinder waren ihre Berufung! Doch die Schwestern rotieren ca. alle sechs Jahre und Sr. Winnie wurde in das Irrawaddydelta versetzt. Dort hatte der Zyklon Nargis das Kinderhaus vernichtet und die Kinder lebten in ärmlichsten Bambushütten ohne Sanitäranlagen. So kam das Kinderheim in Mwe Hauk dazu. Inzwischen unterstützen wir sieben Kinderheime, 12 Studenten und einige sehr arme Familien (hauptsächlich Witwen mit Kindern).

Die Leser können sich in den Jahresberichten auf unserer Homepage (www.kinder-der-welt.org) informieren, die sie als pdf herunterladen können. Darin ist auch immer eine Aufstellung unserer Einnahmen und Ausgaben veröffentlicht. Außerdem können Interessenten mich jederzeit gerne anrufen oder mir eine E-Mail schreiben.

Wann waren Sie das letzte Mal in Myanmar? Wie sieht so ein typischer Besuch von Ihnen aus?

(M.P.): Ich war zuletzt von Dezember 2019 bis Ende Februar 2020 in Myanmar.

In Myanmar besuche ich alle Kinderheime und informiere mich bei einem meist mehrtägigen Aufenthalt dort genau über das Wohlergehen der Kinder und die Verwendung der Spendengelder. Die Wege sind meist sehr weit und daher bin ich oft sehr lange unterwegs. Die Kinderheime besuche ich bis auf das Kinderheim in Kadeh (es ist einfach zu weit weg) zweimal. So lebe ich mit den Schwestern und Kinder ihren ganz normalen Alltag und bin ein Mitglied der großen Familie. Daher bleibt mir nichts verborgen. Außerdem habe ich inzwischen wirklich viel Erfahrung in meiner Arbeit.

Doch nicht nur aufgrund der politischen Situation, sondern auch wegen der Corona Pandemie bleiben in dieser Saison die Touristen aus. Deshalb bricht vielen Burmesen ihr Einkommen weg, mit welchem sie oft mehrere Generationen durchfüttern müssen. Wie ging es den Menschen in Myanmar vor dem Putsch gesundheitlich und finanziell?

(M.P.): Wie ich oben bereits ausführte gingen viele Hotels, Hostels, Restaurants usw. inzwischen pleite. Der Tourismus ging schon in den letzten drei Jahren etwas zurück.

Die Gesundheitsversorgung ist viel besser geworden. Jedoch hat sich die finanzielle Lage für viele Familien dramatisch verschlechtert. Auch Tagelöhner wie Bau- oder Straßenarbeiter finden oft keine Arbeit mehr.

Myanmar macht nun aufgrund der aktuellen politischen Lage Schlagzeilen. Über die Corona-Pandemie wissen wir jedoch nichts. Wie meistert eines der ärmsten Länder der Welt Corona?

(M.P.): Mit Lockdown, Mund/Nasenschutz, Ausgangssperren und einer in dieser Hinsicht sehr folgsamen Bevölkerung.

Erzählen Sie uns doch bitte von Ihren Projekten. Wo liegen diese und wie werden die Spendengelder verwendet?

(M.P.): Drei Kinderheime liegen im Kayah-Staat – in Loikaw, Hoya und Khabe. Ein Kinderheim in Kalaw, Shan-Staat, zwei im Irrawaddydelta und eines ganz im Süden bei Myeik. Dazu kommen noch die Familien aus der Bergregion Khabe und eine aus Kalaw. Unsere 12 Studenten studieren im St. Aloysius Gonzaga Institute for Higher Studies in Taunggyi (Shan-Staat), sind aber seit fast einem Jahr im Online-Studium entweder zu Hause oder im Kinderheim in Aima.

Von den Spenden wird die Ernährung und der Schulbesuch bzw. das Studium finanziert. Außerdem finanzieren wir die dringend nötigen Neubauten, wie Zisternen, Sanitäranlagen, Küchen und Kinderhäuser.

Wenn Sie in die Zukunft blicken, wo sehen Sie Myanmar in 10 Jahren und welchen Wunsch haben Sie für das Land? 

Leider kann ich immer noch nicht hellsehen 😉 Im Moment weiß kein Mensch, wie es in Myanmar weitergeht. Aber ich hoffe sehr, dass sich das Land von dem Putsch und natürlich auch von der Corona-Pandemie bald erholt und den liebenswerten Menschen dort eine bessere Zukunft bietet.

Monika Proksch mit Schülern und Studenten in Myanmar
Monika Proksch mit Schülern und Studenten in Myanmar

Zum Schluss zwei letzte, persönliche Fragen: Was ist Ihr Lieblingsort in Myanmar und warum? Was reizt Sie an Myanmar generell?

Puh, das ist schwer zu sagen. Ich habe meine Basis in Kalaw und mag den Ort sehr. Aber ich bin auch sehr gerne in den Bergdörfern im Kayah-Staat und mindestens ebensogerne im Irrawaddydelta und natürlich in Bagan.

Ich mag die so freundlichen und achtsamen Menschen. Aber auch die Kultur und Landschaften.

Frau Proksch, herzlichen Dank für Ihre Zeit und Ihre interessanten Infos! Hoffen wir, dass sich die politische Lage inklusive Corona bald wieder entspannen werden, Myanmar hoffentlich den Weg zur Demokratie finden wird und Reisen nach Myanmar wieder möglich sein werden!

Ich danke Ihnen und hoffe mit Ihnen, dass wir bald wieder in das schöne Myanmar reisen können.

Zukunft für Kinder der Welt e. V.

Zukunft für Kinder der Welt e. V. ist ein eingetragener, mildtätiger Verein, der politisch und konfessionell unabhängig ist. „Zukunft für Kinder der Welt e. V.“ engagiert sich besonders für hilfsbedürftige Kinder in Kambodscha und Myanmar (Burma).

www.kinder-der-welt.org

Spendenkonto:

Sparkasse LandsberG-Diessen

IBAN: DE20 7005 2060 0000 6331 07

SWIFT-BIC: BYLADEM1LLD

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